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Wor wir uns mit der Homöopathie als einer spezifischen ,rm einer Arzneitherapie beschäftigen, ist es hilfreich, Grundsätze zu verstehen, die dazu führen, daß Heilung entstehen kann. Einer der wesentlichen Eckpfeiler für das Grundverständnis ist der sogenannte Similesatz, der besagt, daß Ähnliches durch Ähnliches geheilt wird. Es soll hier versucht werden, die Tragweite eines solchen Herangehens über das rein Arzneiliche hinaus etwas auszuloten. Es wird darum gehen, aufzuzeigen, daß es sich hierbei um eine Gesetzmäßigkeit handelt, die auch auf anderen Ebenen ihre Gültigkeit hat, unter anderem auch auf der spirituellen. Es soll deutlich werden, welche Dimensionen integratives Vorgehen haben kann, und welche Auswirkungen das Gegenteil, die Desintegration, hat. Die Absicht ist also nicht, dem Laien homöopathische "Mittelchen" gegen irgendwelche Beschwerden anzuempfehlen, - darüber gibt es anderweitig ausreichend Literatur, - sondern einen integrativen Ansatz zu verdeutlichen, der in Aussicht stellt, daß möglichst bald "Mittelchen" überflüssig werden, auch homöopathische.
Betrachten wir deshalb zunächst den allopathischen Ansatz der Desintegration. Wir haben in unserer Kultur desintegratives Denken und Fühlen so weit internalisiert, daß es sinnvoll scheint, einiges davon wieder ins Bewußtsein zu rufen, um dann im Anschluß daran Integration besser verstehen zu können. Die Wurzeln der Desintegration, wie auch unserer gesamten Kultur, liegen in den verschiedenen christlichen Traditionen. Da haben wir gelernt, Gut und Böse zu unterscheiden, das Leben in diese Kategorien aufzuspalten und zu versuchen, so weit möglich Gutes zu mehren und Böses zu reduzieren. Wenn wir die Polarität zwischen Gut und Böse durch andere Synonyme ergänzen, wird deutlicher, wie tief unser Leben von dieser Spaltung und diesem Kampf durchdrungen ist. Denken wir an Angenehmes und Unangenehmes, an Freude und Leid, an Lust und Schmerz, an Gesundheit und Krankheit, an Wohlstand und Armut, an Jugend und Alter, an Aufblühen und Vergehen, an Leben und Tod, an Sättigung und Hunger, an Wärme und Kälte, an Liebe und Haß, Zärtlichkeit und Gewalt, Krieg und Frieden...
Der eine Pol erscheint uns erstrebenswert, für den können wir uns innerlich erwärmen, den anderen versuchen wir zu vermeiden "wie die Pest". Dies scheint uns völlig selbstverständlich, sodaß es in der Regel nicht mehr hinterfragt wird. Quasi reflexartig versuchen wir einen festgestellen Mangel zu einem angenommenen oder tatsächlichen Gleichgewicht aufzufüllen, und wenn irgendwo etwas zu viel ist, dann wird etwas weggenommen.
Das ist die Grundlage der Schulmedizin sowie unseres Denkens über uns selbst, unseres Verhaltens gegenüber der Welt, das ist auch die Grundlage unseres Verhaltens unseren eigenen Problemen gegenüber, unseren alltäglichen Schwierigkeiten und allem "Ungemach". Ein kleines Beispiel soll dies weiter veranschaulichen: Werra wir müde sind, und unsere Kinder machen Lärm, weil sie eben nicht müde sind, sondern lebendig, vielleicht sogar sehr freudig und ausgelassen, voller Leben, voller Tatendrang, voller Lust, dann sind sie oft laut, und wenn uns dies dann stört, dann sagen wir fast automatisch: "Seid doch bitte etwas leiser". Uns ist die Lautstärke zu viel, wir sehnen uns dann nach mehr Ruhe, und unser erster Gedanke ist, die Lautstärke zu verringern z.B. dadurch, daß wir die Kinder dann in ein anderes Zimmer schicken o.Ä. Wir setzen also einen Gegenpol, bringen die Wirksamkeit des Gegensatzes in die Welt, bekämpfen in Wirklichkeit die Lautstärke, das Lebendigsein der Kinder auf Grund unseres Ruhebedürfnises, d.h. wir blockieren den Lebensfluß.
Es geht nicht darum, dieses Verhalten in die Kategorien von "richtig oder falsch" einzuordnen. Es kann durchaus notwendig scheinen, uns vor Impulsen zu schützen, denen wir uns momentan vielleicht nicht oder noch nicht gewachsen fühlen.
Betrachten wir noch ein weiteres Beispiel für Desintegration, diesmal innere, seelische Impulse betreffend. Stellen wir an den Anfang dieser Betrachtung die Prämisse, daß der Mensch ursprünglich eine liebende, liebevolle und liebesbedürftige Seele ist. Wir können uns dies, sollte es uns nicht unmittelbar einleuchten, veranschaulichen durch die Betrachtung einen Neugeborenen oder eines Säuglings, und dabei auch die Gefühle wahrnehmen, die dabei in uns geweckt werden. Stellen wir uns nun vor, daß so einer liebenden Seele, wenn sie dann etwas älter geworden ist und sprechen kann, von z.B. einer aufgebrachten Mutter gesagt wird: "Du bist blöd!" Eine liebende Seele ist nicht in der Lage, sich gegen diesen Vorwurf in irgend einer Art und Weise zu schützen. Die Tatsache und Wirksamkeit der Liebe in ihrem Wesen, die Verbundenheit in Liebe mit ihrer Mutter bringt die liebende Seele notwendigerweise dazu, diesen Vorwurf anzunehmen und für sich selbst gelten zu lassen, was einer seelischen Wunde gleichkommt. ja, die liebende Seele geht sogar noch darüber hinaus. Sie nimmt diesen Vorwurf nicht nur als wahr an, sondern sie unterstellt auf Grund der Liebesbindung, daß dieser Vorwurf quasi nur die Spitze des Eisbergs sein müsse, was konkret bedeutet: "Wie böse muß ich denn tatsächlich sein, wenn meine geliebte Mutter sich durch mich dazu hinreißen läßt, mich so zu beschimpfen?"
Als Kind müssen wir beinahe reflexartig das Verhalten, das dazu geführt hatte, daß wir getadelt wurden, in uns selbst ablehnen, weil wir andernfalls die Liebesbindung, auf die wir existenziell angewiesen sind, gefährden würden. Durch derlei Vorwürfe haben wir gelernt, aus Angst vor Liebesentzug Teile unseres Wesens abzulehnen, zu desintegrieren. Wir haben dadurch, daß wir einem bestimmten inneren Impuls gefolgt sind und eine schlechte Erfahrung damit gemacht haben, die Schlußfolgerung gezogen: "Das mache ich nie wieder". Das hier dargestellte ist ja bis zu diesem Punkt jedem bewußt und bekannt.
So bilden sich "Schattenseiten" unserer Seelenwirksamkeit, die in der Dunkelheit, dem durch die Verdrängung unbewußt gewordenen Anteil unseres Wesens, weiter bestehen bleiben und nichts an Vitalität verlieren, ganz im Gegenteil. Sie werden immer mächtiger, um auf sich aufmerksam zu machen. Sie bringen uns quasi gezielt in bestimmte Lebenssituationen, z.B. Unfälle oder Krankheit, bis wir uns dieser Anteile wieder annehmen. Es gibt ein indisches Sprichwort: "Wenn du die Maus im Keller nicht dulden kannst, brauchst du eine Katze. Die aber braucht Milch. Du mußt Dir also eine Kuh anschaffen ...." In diesem Sprichwort wird zudem deutlich, daß wir uns durch Unterdrückung in einen "Teufelskreis" begeben, der jede weitere Unterdrückung, wurde dieser Weg einmal beschritten, immer dringender und richtiger zu machen scheint.
Durch Verdrängung, Unterdrückung, also Desintegration verlieren wir also Teile unseres Wesens aus dem Blick, verlieren also nach und nach Bewußtsein unseres Selbst, werden immer unbewußter, immer kontrollierter und somit immer energieloser, blockierter freiem Lebensfluß gegenüber, immer verklemmter, immer kränker und unglücklicher. Nur allzu leicht können wir in diesem Zustand von innen heraus zustimmen, wenn menschenfeindliche Philosophien von "Erbsünde" sprechen. Wir meinen, diese nur allzu gut zu kennen. So wird durch kulturelle und religiöse Vorgaben eine Not geschaffen, die den ohnmächtig gewordenen Menschen nach einem Erlöser schreien läßt.
Es schien wichtig, diesen Gedankengang bis hierher zu verfolgen, um einerseits die gängige Medizin unseres Kulturkreises, die "Schulmedizin", gründlicher zu verstehen, und andererseits die Dimension einer integrativen Medizin über das rein Arzneiliche hinaus besser zu erfassen.
Wenn wir uns das Vorangegangene vor Augen halten, ist es kein Wunder, daß sich ,In unserer Kultur eine allopathische Medizin etablieren konnte. Sie entspricht völlig unserem Weltbild, unserer gängigen Auffassung des Lebens. So wird Krankheit als unliebsame Störung, als reparaturbedürftiger Defekt, betrachtet, der möglichst schnell wieder vom Arzt als "Erlöser" behoben werden soll. Die angebotenen Therapien kann man bis auf kaum nennenswerte Ausnahmen als symptomatologisch und unterdrückend ansehen. Durch jede Unterdrückung wird nach kürzerer oder längerer Besserungsphase die Beschwerde immer schlimmer oder auf eine andere Ebene verschoben (z.B. statt eines Ekzems Asthma), was unterdrückende Maßnahmen scheinbar noch notwendiger macht. Damit haben wir den bereits erwähnten, sich selbst bestätigenden und wie ein perpetuum mobile in Gang haltenden "Teufelskreis" vor uns. Dadurch entsteht die reichlich bekannte Abhängigkeit (einschließlich der Stabilisierung oder Steigerung der Umsatzraten der Pharmaindustrie). Es steht außer Frage, daß es Bereiche der "Schulmedizin", vor allem der Unfall- und Notfallmedizin gibt, für die man nur dankbar sein kann. Bedenkenswert ist jedoch, wenn ein kompetenter homöopathischer Arzt-in diesem Fall konkret Dr. Otto Eichelberger aus München - in 40-jähriger homöopathischer Allgemeinarztpraxis nicht ein einziges Mal Antibiotika gebraucht hat. Oder wenn Untersuchungen aus Argentinien, geleitet von dem weltbekannten Arzt Dr. Paschero, ergeben, daß in Familien, die sich seit mindestens zwei Generationen homöopathisch behandeln lassen, absolut keine Krebsfälle mehr vorkommen, und Untersuchungen aus Indien aufzeigen, daß in homöopathisch behandelten Familien keinerlei chronische Krankheiten auftreten.
Wenden wir uns nun der Integration zu. Was bedeutet Integration in der homöopathischen Arzneitherapie? Es wurde bereits der Similesatz als ein Eckpfeiler der Homöopathie angesprochen, wonach Ähnliches durch Ähnliches geheilt werden soll. Dies bedeutet, daß in der Homöopathie statt genesender Reize krankmachende Impulse zur Heilung eingesetzt werden. Homöopathische Mittel wurden und werden an Gesunden auf ihre Wirkung geprüft, lösen-jedes in seiner spezifischen Weise-eine Unzahl von Beschwerden aus (Sulfur z.B. 11646 Symptome) und werden nun demjenigen Kranken zur Heilung verabreicht, der exakt die gleichen Beschwerden hat. Hier haben wir nun ein Phänomen vor uns, dem es sich lohnt nachzuspüren. Daß natürliche Substanzen (Minerale, Pflanzen und Substanzen tierischer Herkunft) am Gesunden Veränderungen und Beschwerden auslösen, braucht an sich noch nicht zu wundern, und daß Krankheiten mit Beschwerden einhergehen, ist uns selbstverständlich. Wieso aber decken sich diese beiden Beschwerdebilder mit verblüffender Genauigkeit? Gibt es einen schöneren Ausdruck für die innige Verbindung zwischen Mensch und Natur, die Einheit allen Seins, die Integration aller Erscheinungsformen?
Eine weitere Frage stellt sich fast von selbst: Wieso entsprechen gesunde natürliche Substanzen kranken Menschen? Dies ist eine der wichtigsten und wertvollsten Fragen in diesem Zusammenhang, führt sie uns doch letztlich zu einem tieferen und erweiterten Verständnis der Evolutionsgeschichte sowie zu einem Einblick in das Krankheitsgeschehen, das präzise Sinnhaftigkeit erkennen läßt, die weit über die Annahme zufälliger, und daher unverstandener, Defekte hinausreicht. Wenn wir uns zunächst einem wesentlichen Aspekt der Evolution zuwenden, nämlich dem der Regenerationsfähigkeit von Zellstrukturen, was auch Vitalität impliziert, erkennen wir, daß die Regenerationsfähigkeit mit zunehmender Komplexität von Strukturen drastisch abnimmt. Bei einem halbierten Regenwurm wächst die jeweils fehlende Hälfte nach, was bei Tieren höherer Ordnung nicht mehr gelingt. Das regenerationsfähigste Organ im menschlichen Körper ist die Leber. Den Gegenpol bilden Nervenzellen, die kaum Regenerationsfähigkeit besitzen. Während Leberzellen Stoffwechselaufgaben übernehmen und damit dem Aufbau der "Körpermaterie" dienen, könnte man Nerven als Organe des Bewußtseins oder gar der geistigen Ebene des Daseins bezeichnen. Damit ist auch die Richtung, in die die Evolution geführt hat, aufgezeigt: Von der Materie zum Geist, zu energetischen Ebenen. Anders formuliert: Während der Evolutionsgeschichte wurde reine vegetative Vitalität "geopfert" für eine höhere geistige Vitalität. Dieser Blickwinkel stellt allerdings die gängige Evolutionstheorie (Darwinismus) auf den Kopf, dies ist durchaus bewußt. Meines Wissens war Rudolf Steiner der erste, der die allgemein vorliegenden Fakten in diesem Zusammenhang gesehen hatte.
Während also im Darwinismus die Evolution als völlig zufällige Auslese des im "wilden Überlebenskampf" jeweils Stärkeren gesehen wird, und damit das ganze Leben als Chaos, läßt die obige Darstellung die Zielgerichtetheit von Entwicklungsvorgängen erkennen. Wir finden dieses in der Aristotelischen Entelechie wieder, in der Lebensvorgänge als primär final statt kausal bedingt angesehen werden. Dieser Blickwinkel ist in der Entwicklung der Naturwissenschaften völlig verloren gegangen, ist aber ein zentraler Punkt für das Verständnis der Homöopathie und deren Krankheitsauffassung, und vor allem deren Einordnung der Krankheitssymptome, und zwar nicht auf Grund abgehobener theoretischer Überlegungen, sondern als Ergebnis empirischer Evidenz.
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Wir müssen, um dies noch tiefer verstehen zu können, die Tatsache ins Auge fassen, daß die übergroße Mehrzahl - wahrscheinlich mehr als 99% - der in der Krankheit tatsächlich vorkommender Symptome eben gerade nicht hinreichend kausal, d.h. heißt physiologisch oder pathophysiologisch, geklärt ist. Daß dies in der Schulmedizin nicht auffällt, liegt daran, daß das völlig individuelle Erleben und Empfinden des Krankseins des Patienten fast vollständig außer Acht gelassen wird. Wer kümmert sich denn schon darum, ob Kopfschmerzen morgens oder abends auftreten, ob sie durch Wärme oder Kälte gebessert oder verschlechtert werden, ob Liegen lindert, oder eher ein Spaziergang an der frischen Luft. In der Homöopathie sind über 400 Mittel bekannt, von denen jedes bei einer anderen Art von Kopfschmerz mit all seinen Begleitbeschwerden und Modalitäten indiziert ist. Eine nicht geringe Anzahl solcher Modalitäten widerspricht sogar jeder Logik, wie z.B. Kopfschmerzen mit einem berstenden Gefühl im Kopf wie durch Überdruck, also Blutandrang, die aber widersinnigerweise beim Bücken verschwinden statt sich zu verstärken, wobei doch der Blutandrang zum Kopf zunimmt. Während ein Schulmediziner solch eine auffällige Konstellation von Symptomen gar nicht wahrnimmt, spielen genau diese Gegebenheiten für den Homöopathen die Hauptrolle bei der Arzneimittelwahl.
Wenn aber solch scheinbar widersinnige Symptome sowohl bei der Arzneimittelprüfung am Gesunden wie auch beim Kranken auftreten, drängt sich doch schon allein dadurch der Gedanke auf, daß Symptome mit dem Ziel auftreten, auf das benötigte Heilmittel hinzuweisen. Den Hinweis erkennen und verstehen kann freilich nur jemand, der quasi die Sprache der Natur - die Arzneimittelbilder - und die Sprache der Krankheit - die Symptome - zu verstehen gelernt hat. Hierbei geht es also im Gegensatz zu scheinbar logischem Vorgehen der Schulmedizin um das Wiedererkennen von ähnlichen Phänomenen, also von Analogien. Hier bekommt der allseits bekannte Satz der altägyptischen Mysterienschulen und des Hermes Trismegistos wieder seine Bedeutung: "Wie oben so unten". Wir erkennen also wieder die Einheit, die Integration.
Während also für den Schulmediziner beim Kranken zufällig, wie bei einer Maschine, irgend ein Defekt, mit sich daraus scheinbar logisch ergebenden Symptomen - also ein Chaos - aufgetreten ist, läßt die Homöopathie sowohl in der Krankheit als auch im Auftreten der Symptome ein hohes Maß an Ordnung erkennen. Um nochmals die Fragwürdigkeit der scheinbaren Logik, derer sich die Schulmedizin zu bedienen vorgibt, hervorzuheben, soll auf eine Untersuchung aus der Orthopädie verwiesen werden, wo jede Logik ad absurdum geführt worden war, selbstverständlich unabsichtlich. Es wurde bei Menschen unterschiedlichster Altersstufen und konditioneller sowie konstitutioneller Gegebenheiten eine Computertomographie der Lendenwirbelsäule durchgeführt. Bei allen Untersuchten wurde vorher eine völlige Beschwerdefreiheit, sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart, und vollständige Beweglichkeit durch körperliche Untersuchung und Funktionsprüfung sichergestellt. Dies waren also Menschen, die eine völlig intakte Lendenwirbelsäule hätten haben müssen. Das Ergebnis der Computertomographie ergab jedoch, daß ca. 1 / 3 der Probanden einen Bandscheibenvorfall hatte, der ihnen selbst bis dato gar nicht bekannt gewesen war, und davon auch wieder ca. 1/3 sogar einen sogenannten Massenprolaps, bei dem die Bandscheibe komplett in den Wirbelkanal gerutscht war, die also eigentlich hätten querschnittsgelähmt sein müssen. Dies zeigt, daß man trotz festgestellter Defekte völlig gesund und beschwerdefrei sein kann, aber auch schwer krank, ohne daß ein Defekt gefunden werden könnte. Und dies ist nicht die Ausnahme, sondern weitaus die Mehrzahl aller Fälle.
Wenn aber Krankheit nicht ein Defekt ist, sondern eine neue, gegenüber dem gesunden Zustand veränderte Ordnung darstellt, welche Bedeutung hat sie dann? Weshalb tritt sie auf, was will sie erreichen?
Betrachten wir den Menschen als eine geistig-seelisch-körperliche Einheit, und den Gesunden als ein Wesen, das für freien Energiefluß und -austausch auf allen Ebenen offen ist, der also sein gesamtes Wesen im Bewußtsein behält und keinen Teil davon vom Lebensfluß abkoppelt. Ein Wesen also, das quasi im Überfluß kosmischer Energie badet und somit tiefes Daseinsglück erfährt. Diese spezielle Form von Glück meinten die alten Chinesen, als sie Krankheit als einen Lebenszustand definierten, in dem ein Mensch nicht mehr glücklich sein kann. Wird nun der freie Energie- oder auch Lebensfluß durch Blockaden behindert, entsteht vor der Blockade ein Energiestau und hinter der Blockade Energiemangel. Stellen wir uns, um dies zu veranschaulichen, einen Menschen vor, der unter Liebeskummer auf Grund einer Trennung leidet. Der Fluß des Lebens hat die Entwicklung zweier Menschen in unterschiedliche Richtungen getragen, und statt dieser Dynamik nachzugeben, hält der eine nun an der Vergangenheit fest, sträubt sich gegen die Entwicklung, will es nicht wahrhaben, kämpft dagegen an und schafft damit eine Blockade. Die Folge ist, daß er an seinem Kummer festhält, gedanklich nicht davon loskommt, dadurch möglicherweise schlaflose Nächte durchmacht, nichts anderes mehr denken kann... Dies wäre nun die Auswirkung der Blockade, der Stau, der Energieüberschuß vor der Blockade. Gleichzeitig wird von ihm z.B. im Beruf dennoch "volle Leistung" erwartet, die er aber auf Grund seines Kummers nicht mehr bringen kann. Im Extremfall wird er arbeitsunfähig und es könnte eine Kündigung drohen. Das bringt für sich genommen ja auch wieder eine Unzahl von Komplikationen und Schwierigkeiten mit sich, was die gesamte Lebenssituation noch mehr belastet. Das wäre nun der Energiemangel nach der Blockade mit allen Folgebeschwerden. Aus dieser gesamten Situation können sich Beschwerden auf allen Ebenen ergeben, wenn diese Blockade nur lange genug anhält.
Das heißt, das Bewußtsein eines Menschen in einer solchen Situation verliert einen Teil seiner Lebenswirklichkeit aus dem Fokus, weil es einen anderen Teil überbetont. Beide Bereiche leiden unter dieser Situation und rufen mit Hilfe von Symptomen und Beschwerden um Hilfe. Bei der Hilfestellung nun muß es darum gehen, einerseits die Blokkade aufzulösen, aber andererseits vor allem die eigentliche Ursache für das Setzen dieser Blockade zu bereinigen. Der Grund für das Festhalten an einer Beziehung könnte darin liegen, daß jemand Angst hat vor dem Alleinsein, und diese Angst wiederum kann begründet sein in einem Mangel an Vertrauen in das Leben, Mangel an Vertrauen, daß sich eine neue Lebenssituation ergeben könnte, die für einen vielleicht noch stimmiger ist als die, an der man ängstlich festhält. Selbstverständlich hat auch die Angst wieder ihre eigene Entstehungsgeschichte in entsprechenden früheren Erfahrungen, auf Grund derer ähnliche Blockaden schon wiederholte Male gesetzt wurden. Wird nun durch ein homöopathisches Mittel der Energiefluß wieder angeregt, wie dies konkret geschieht folgt weiter unten, wird diese gesamte Ursachenkette wieder aufgerollt, was bedeutet, daß Vergessenes und Verdrängtes wieder zu Bewußtsein kommt, wieder integriert wird.
Erfahrungsgemäß entstehen die hauptsächlichsten Blockaden, wenn ein Mensch auf existenziell wichtige geistige, seelische oder körperliche Bedürfnisse oder Impulse nicht adäquat reagiert, sie zu beachten vergißt oder aus dem Bewußtsein verliert, wenn er sein ganz individuelles Menschsein nicht zu dem aufblühen läßt, was es sein könnte und daher eigentlich auch sein müßte, was bedeutet, daß er sich durch sein Verhalten, durch Entscheidungen, die er fällt, ständig reduziert, z.B. auf das rein biologisch-körperliche oder auch auf das nur geistig-seelische, und damit das Ziel, den Sinn seines Daseins, aus dem Blick verliert. Dieser zielorientierte, entelechische Aspekt geht völlig verloren, wenn das Leben lediglich als eine Abfolge kausaler Zusammenhänge gesehen wird. Dann wird das Dasein nicht mehr als eine zufällige Aneinanderreihung von Begebenheiten angesehen, verbunden mit dem Bedürfnis, sich gegen allzu großes Chaos so gut es geht zu schützen. Dahinter erkennt man die tiefe Lebensangst und die daraus unweigerlich entstehende Lebensfeindlichkeit, aus der letztlich all die Selbst- und Naturzerstörung resultiert, die mittlerweile längst unseren gesamten Planeten existenziell bedroht.
Der Durchbruch zu vollständigerem, wahrerem Menschsein, die Möglichkeit und Fähigkeit des Einzelnen, seiner tiefsten Bestimmung folgen zu können, war für Hahnemann, den Gründer der Homöopathie, das Hauptmotiv und die treibende Kraft seines Arztberufes von Anfang an, und dann später auch der Grund für die Abkehr von der damals, vor ca. 250 Jahren, gängigen "Schulmedizin", die übrigens heute teilweise als sogenannte Naturheilkunde ihre Renaissance erlebt, und mit der Homöopathie in engerem Sinne in Wirklichkeit nur sehr wenig, wenn überhaupt etwas, zu tun hat. Hahnemann suchte tiefere, echtere Heilung und entdeckte durch Beobachtung das Ahnlichkeitsgesetz, aus dem sich dann die Homöopathie schrittweise entwickelte. Es scheint mir wichtig, zu betonen, daß der entelechische Aspekt von vornherein elementar zum Verständnis der Homöopathie gehörte, was tatsächlich meist vergessen wird. In diesem Falle dann verkommt die Homöopathie zu einer platten Naturheilkunde oder zu einer im Vergleich zu heutigen Schulmedizin weniger schädlichen Symptomkuriererei.
Reintegrieren wir also die Entelechie in die Homöopathie, können wir nach all dem bis hierher Dargelegten die ausgangs gestellte Frage, die in der Regel nicht reflektiert wird, beantworten, nämlich die Frage, wie es kommt, daß gesunde natürliche Substanzen kranke Menschen heilen können, indem sie in der Lage sind, Gesunde krank zu machen.
Wenn also die Evolution von körperlichen Daseinsformen zur bewußten Wahrnehmungsfähigkeit nennen wir es seelisch-geistiger Ebenen geführt hat, der Mensch in sich also dieses weite Spektrum der Lebensmöglichkeiten vereint, ja vereinen muß, integrieren muß, umwirklich Mensch zu sein, d.h. als Mensch gesund sein zu können, ist es einleuchtend, daß er krank wird, wenn entweder das Ziel oder die Herkunft, die seelisch-geistige oder die biologisch-körperliche Ebene oder sogar beides vernachlässigt wird und allmählich aus seinem Bewußtsein schwindet. Verliert er sein Ziel aus den Augen oder mißversteht er es auf Grund vorgefaßter, kulturell oder konfessionell bedingter "Konfektionierung", was weitaus am Häufigsten vorkommt, fällt er in seiner Entwicklung bewußtseinsmäßig auf die biologisch-körperliche Ebene zurück, also quasi auf ein Vorstadium der menschlichen Evolution. Er wird naturgleicher. Was für die Natur völlig ausreichend, "normal", also gesund ist, stellt jedoch für den Menschen ein Defizit dar, das ihn krank macht.
Wenn der Mensch seine Herkunft, die biologisch-körperliche Ebene, vernachlässigt, braucht er in der Regel keine homöopathische Behandlung, sondern nur eine entsprechende Korrektur seiner diesbezüglichen Lebensgewohnheiten, es sei denn, es sind bereits schwerere körperliche Schäden aufgetreten.
Wenn wir also sehen, daß Krankheit Sinn macht, ein lebenswichtiger Hinweis auf Vergessenes, Übersehenes oder übergangene existenzielle Impulse ist, einen Mangel an Integrationsfähigkeit in Bezug auf ein bestimmtes Thema oder auch mehrere Themen anzeigt, wird verständlich, daß eine Medizin, die genau diesem Defizit entsprechende Reize setzt, heilen kann, ja heilen muß. Halten wir uns zur Verdeutlichung eine Erfahrung vor Augen, die jeder gemacht hat: Wenn wir im Winter bei einem Spaziergang an den Händen frieren und wir lassen uns auf eine Schneeballschlacht ein, wissen wir, daß wir anschließend warme Hände haben. Wie ist das möglich? Wir haben hier quasi ein Miniaturabbild von Krankheit und Heilung. Wenn wir in kalter Luft an den Händen frieren, heißt das, daß unser Kreislauf zu träge ist, die Hände ausreichend zu durchbluten. Es herrscht also ein Mangel an Ausgleichsreaktion, die man auch als Selbstheilungsreaktion bezeichnen könnte. Der Kontakt mit dem kalten Schnee jedoch bildet nochmals, und zwar stärker als die kalte Luft, einen provokativen Reiz für den Kreislauf, der dann adäquat beanwortet wird, was zur Durchwärmung der Hände, also zur "Heilung", führt. Das ist Homöopathie in sehr vereinfachter, elementarer Form. Daß die Erwärmung der Hände nicht auf die verstärkte Bewegung durch die Schneeballschlacht zurückzuführen ist, erhellt sich aus der Tatsache, daß beide Hände gleichermaßen verstärkt durchblutet wurden, und nicht nur die Wurfhand.
In der medikamentösen, arzneilichen Form der Homöopathie werden zur gleichartigen Provokation Reize verabreicht, die den vorhandenen Mangel an Fluß von Lebenskraft zunächst verstärken, ähnlich dem Schnee, der ja von sich aus nicht erwärmt, sondern abkühlt, um eine Gegenreaktion, nämlich einen verstärken Fluß von Lebensenergie, auszulösen, was zu einer Auflösung einer vorhandenen Blockade führt. Spätestens jetzt eröffnet sich eine oft von Patienten gestellte, zentrale Frage: Wie ist es möglich, daß durch homöopathische Arzneimittel Blockaden auf der seelischen oder gar geistigen Ebene erreicht und aufgelöst werden können? Man könnte zur Antwort geben, daß bei dem speziellen Herstellungsverfahren homöopathischer Mittel, dem sogenannten Potenzierungsvorgang, die Mittel stufenweise aus der materiellen in eine energetische Ebene überführt werden. In der Arzneimittelprüfung am Gesunden ist es dann auch so, daß niedrige Potenzen rein körperliche Beschwerden auslösen und höhere Potenzen zunehmend Änderungen auf der seelischen und geistigen Ebene bewirken. Als Antwort reicht dies aber nicht aus, denn Kranke reagieren an diesem Punkt entscheidend anders. Wenn jemand beispielsweise durch eine Verletzung bedingt rein körperliche Beschwerden hat, reagiert er selbst auf extrem hohe Potenzen lediglich auf der körperlichen Ebene. Und umgekehrt reagiert jemand, der mit einer bestimmten seelischen Problemsituation nicht klar kommt, auch schon auf niedrige Potenzen des entsprechenden Mittels seelisch, auch wenn zur Ausheilung dann später höhere Potenzen notwendig werden sollten. Das zeigt, daß Kranke auf Grund von Resonanzphänomenen reagieren. Es ist, als ob die energetische Spannung, gleich auf welcher Ebene sie sich befindet, die Energie des homöopathischen Mittels quasi aufsaugt. Hierbei sind Tiefpotenzen energieärmer im Vergleich zu Hochpotenzen.
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Wenn wir diese Frage beantworten wollen, müssen wir uns zunächst klar machen, daß diese Frage, so verständlich sie im ersten Augenblick erscheint, in Wirklichkeit falsch gestellt ist. Es wird dabei nämlich unausgesprochen davon ausgegangen, daß die verschiedenen Ebenen, nämlich die körperliche, seelische und geistige, voneinander getrennt sind. Damit haben wir wieder ein Paradebeispiel desintegrativen Denkens. Tatsächlich ist es jedoch so, daß es diese Trennung eben nicht gibt, daß auf jeden von außen oder aus dem Inneren kommenden Reiz immer der ganze Mensch auf allen Ebenen reagiert. Stellen Sie sich, um dies zu verdeutlichen, jemanden vor, der bei dem Versuch, einen Nagel in die Wand zu schlagen, statt des Nagels seinen Fingernagel trifft. Je nach Naturell schleudert der eine den Hammer wutentbrannt in die Ecke, während ein anderer resigniert in sich zusammenbricht. Wir sehen also auf einen banalen körperlichen Reiz, hierbei geht es ja noch nicht einmal um Krankheit, sondern nur eine Verletzung, sofort eine individuelle seelische Reaktion folgen. Und wird jemand erschreckt, z.B. dadurch, daß man ihn unvermittelt anschreit, also einen Reiz auf der seelischen Ebene setzt, folgt sofort eine körperliche Reaktion, indem der Adrenalinspiegel drastisch ansteigt, evtl. Herzklopfen eintritt...
Wenn also Homöopathie durch spezifische Provokation von Lebenskraft in der Lage ist, Blockaden des Lebensflusses aufzulösen, was man als provozierte Selbstheilung bezeichnen könnte, wird verständlich sein, daß prozeßmäßige Änderungen im gesamten Lebensgefüge eines Menschen eintreten können und häufig auch müssen, z.B. in der Form, daß bislang akzeptierte Gegebenheiten, die auf Grund des reduzierten Flusses von Lebensenergie durchaus selbstverständlich waren, plötzlich fraglich erscheinen. Dies wird hervorgehoben, weil hieran deutlich wird, daß Heilung in Wirklichkeit ein tiefgreifender und umfassender Prozeß ist, der z.T sehr viel Zeit in Anspruch nehmen kann, was in diametralem Gegensatz steht zum oberflächlich erlösungsorientierten, in Wirklichkeit aber zunehmend kränker machenden, an Krankheit (und die Pharmaindustrie) bindenden, Vorgehen der Schulmedizin.
Es ist durchaus nachvollziehbar, daß dieser Prozeß vielen Menschen Angst macht. Dies ist nicht nur Homöopathen bekannt und kommt nicht nur in homöopathischer Behandlung vor, sondern scheint eine generell auftretende Erscheinung zu sein, wie aus dem folgenden Text von Nelson Mandela in bewundernswerter Weise deutlich wird. Man muß sich bei den folgenden Zeilen fragen, wie ein Mensch, der beinahe 30 Jahre seines Lebens in Isolationshaft verbracht hatte, zum Ausdruck solch einer Lebensfülle fähig ist.
Nelson Mandela schreibt:
"Unsere tiefgreifendste Angst ist nicht,
daß wir den Anforderungen nicht gewachsen sein könnten.
Unsere tiefgreifendste Angst ist,
daß unsere Kraft jedes Maß übersteigt!
Unser Licht, nicht unsere Dunkelheit ist es, die uns am
meisten Angst macht. Wir fragen uns, wie kann ich es wagen,
brillant, großartig, talentiert und fabelhaft zu sein?
Doch in der Tat: Wie kannst Du es wagen, es nicht zu sein?
Du bist ein Kind des Universums!
Wenn Du Dich klein machst,
erweist Du damit der Welt keinen Dienst.
Es ist nichts Erleuchtetes daran, sich klein zu machen,
damit sich andere Leute in Deiner Gegenwart nicht unsicher fühlen.
Wir sind geboren worden, um den Glanz des Universums,
der in uns ist, zu manifestieren.
Er ist nicht nur in einigen von uns,
er ist in jedem Einzelnen.
Und wenn wir unser eigenes Licht scheinen lassen,
geben wir unbewußt anderen Menschen
die Erlaubnis, dasselbe zu tun.
Wenn wir von unserer eigenen Angst befreit sind,
befreit unsere Gegenwart automatisch andere"
Es liegt mir besonders am Herzen, diesen Text hier einzufügen, weil hier in unvergleichlich schöner Weise der Weg zum Ziel menschlichen Daseins aufleuchtet.
Die "innere, spirituelle Homöopathie" oder der integrative Umgang mit dem eigenen Leben
Bevor nun zum Schluß das wesentlichste Anliegen dieses Artikels versucht wird darzulegen, nämlich die "innere, spirituelle Homöopathie" oder der integrative Umgang mit dem eigenen Leben, das dann auf Grund eines hohen Maßes an Integrationsfähigkeit, als gewisser Höhepunkt, schließlich durch Lichtnahrung aufrechterhalten werden kann, sei mir gestattet, noch einige Gedanken zum Thema Karma einzufügen.
Wenn wir das Gesetz des Karmas für uns und unser Leben anzunehmen bereit sind, Karma im Sinn von selbsterschaffenem Schicksal, sind wir doch sehr häufig von dem Gedanken geprägt, dieses Karma müssten wir abtragen, dieses Karma sei etwas, das man auflösen, erlösen müsse. Also eine Last, die uns quasi als Strafe, als unvermeidliche Konsequenz unseres Handelns wieder und wieder begegnet, und fast immer sehen wir im Zusammenhang mit Karma eigentlich Unliebsames, Unangenehmes, etwas, das wir am liebsten eigentlich vermeiden würden, dem wir uns scheinbar bedauerlicherweise beugen müssen. Das Gesetz des Karmas ist in Wirklichkeit ein mit der Homöopathie außerordentlich eng verwandtes Gesetz des Lebens, entspricht dem Geist des Lebens und man könnte vielleicht sogar formulieren, daß sich in der Homöopathie als Arzneitherapie die Gesetzmäßigkeit des Lebensvollzugs im Zusammenhang mit Karma wiederspiegelt. Wie ist das zu verstehen?
Die Homöopathie hat Heilung zum Ziel. Die Absicht, die dahinter steht, wenn ein krankmachender Impuls gesetzt wird bei einem Kranken, ist seine Heilung. Und genauso gibt es die Möglichkeit, hinter der Gesetzmäßigkeit des Karmas die Absicht der Heilung zu sehen. Es ist durchaus möglich, wenn nicht gar sinnvoll, Dinge oder Situationen, die einem im Leben begegnen, als karmische Fügungen unter diesem Gesichtspunkt zu betrachten. Das würde bedeuten, daß uns Dinge begegnen, die eine Vorgeschichte haben, in der Form, daß wir früher in einer bestimmten Lebenssituation eine Konsequenz gezogen haben, eine Haltung eingenommen haben, eine Handlung begangen haben, die in Wirklichkeit dem Gesetz des Lebens, dem Geist des Lebens nicht entspricht oder gar widerspricht. D.h., daß wir Wunden gesetzt haben. Wunden bei uns, Wunden bei anderen. Durch diese Wunden sind Blockaden entstanden in dem Sinne, daß wir oder jemand anderes das Leben durch dieses Erlebnis bedingt als weniger lebenswert empfindet. Die Lebendigkeit, die Freude, die Dankbarkeit, die Wahrnehmung der Fülle des Daseins wird beeinträchtigt, wird blockiert durch Erlebnisse, die uns unangenehm sind, die uns verletzen und wehtun oder die uns einschränken. Wenn also wir der Auslöser für uns selbst oder für jemand anderes waren für eine derartige Minderung des Lebensflusses durch uns hindurch oder durch den anderen hindurch, wenn wir Lebendigkeit blockiert und reduziert haben, und dadurch verwundet haben, ist es da nicht verständlich, daß wir nochmals in eine verwandte, ganz ähnliche Situation kommen, damit diese Wunde wieder heilen kann? Heilen durch Bewußtwerden. In der Regel werden solche Fehler dem Leben gegenüber begangen aus Mangel an Einsicht in den Logos, den Geist des Lebens. Hätten wir gewußt, hätten wir meist nicht bewußt Fehler gemacht. Dadurch, daß uns immer wieder ähnliche Situationen begegnen, wird in uns Bewußtwerdung angeregt, Bewußtwerdung in Bezug auf den möglicherweise ganz tief innerlich gemachten Fehler in unserem Bewußtsein, aus dem heraus wir dann gehandelt haben. D.h., hinter der Absicht des Karmas, hinter der Gesetzmäßigkeit des Karmas, steht als Ziel die Heilung karmischer Wunden durch Bewußtwerdung.
Führen wir uns, um dies nochmals vor dem Hintergrund von Integration und Desintegration deutlicher werden zu lassen, den Umgang von Kindern mit Wunden, die der Arzt versorgen will, vor Augen. Wenn ein Kind eine Wunde hat, bekommt es von der Mutter ein Pflaster oder wird verbunden. Wie wir aus Erfahrung wissen, möchte es diese Wunde verschlossen halten, und wenn dann die Mutter mit dem Kind zum Arzt kommt, und der Arzt bittet, daß man den Verband öffnet, wird wohl kein Kind dies gerne zulassen, obwohl das Kind das Bedürfnis hat, daß man ihm die Schmerzen nimmt, daß so schnell wie möglich die Wunde verheilt. Es hat diese Wunde nicht freiwillig, es hat sie nicht gerne, es möchte sie loshaben, und zwar so schnell wie möglich, und vor allem, und das ist der entscheidende Punkt, mit so wenig Beschwerden wie möglich, so angenehm wie möglich. D.h., dieses Kind möchte keine Heilungskrisen, es möchte schnelle Erlösung. Deshalb möchte es die Wunde möglichst in Ruhe lassen, ja nicht anschauen oder berühren. Daraus entsteht dann aber eine Entzündung mit anschließender Eiterung und der Gefahr einer lebensbedrohlichen Blutvergiftung. Und was muß jetzt der Arzt tun, um dieses Kind von .dem Schmerz der Wunde zu befreierY? Er muß die Wunde eröffnen, um sie reinigen zu können. Er muß in der Wunde "herumstochern", möglicherweise noch stärkere Schmerzen zufügen, als sie ursprünglich beim Entstehen der Wunde vorhanden waren, um Leben zu retten.
Es wird deutlich geworden sein, daß Desintegration tödlich sein kann. In den Wesen von uns Menschen ist ein wohl kaum fasslicher Überfluß an Energie gebunden an Verletzungen und karmische Wunden wie auch an unsere Abwehrmaßnahmen gegen vollständigere Bewußtwerdung. Vielleicht ist es so, daß wir, verglichen mit unseren tatsächlichen Möglichkeiten, schon halb tot, oder - vielleicht besser - erst halb lebendig sind. Nun also: Wie gelingt Integration, wodurch wird sie effektiv? Wenn wir uns auf abgelehnte innere Regungen einlassen und ihrer Entstehungsgeschichte nachgehen, wird uns auffallen, daß es keine Regung gibt, die nicht ursprünglich aus einem vermeintlich oder tatsächlich ungestillten Hunger nach Liebe und Leben entstanden war. Nehmen Sie sich die Zeit, diesem Sachverhalt in sich selbst nachzuspüren. Wenn aber das Leben ein Baden in kosmischer Liebe sein kann, warum nehmen wir dies nicht wahr? Warum verhungern wir quasi vor gedeckter Tafel?
Plato hatte kurz und prägnant auf diese Frage geantwortet: "Nicht in demjenigen ist Liebe, der geliebt wird, sondern in dem der liebt". Wie aber will jemand lieben, der sich selbst zu einem guten Teil ablehnt? Wie will jemand laufen lernen, dessen Beine vor lauter Verletzungen und Verwundungen den Dienst versagen? Wir kommen also nicht umhin, endlich die Wunden effektiv zu versorgen. Und dies hat dann nichts mit einem selbstmitleidigen "wundenleckenden" Hypochonderdasein zu tun, das zu keiner Heilung führen kann, weil es eigentlich mitleidheischend immer noch die entscheidende Hilfe von außen erwartet und Eigenverantwortung aus dem Blick verliert.
Die Antwort, wie Integration aktiviert und effektiviert wird, liegt auf der Hand: durch Liebe, durch konsequent an sich selbst praktizierte Eigenliebe. Es waren Verführer menschlichen Geistes, die unlauterer Motive wegen solch eine Haltung als Egozentrik gebrandmarkt haben. Niemand kann geben, was er nicht hat. Wer in sich keine Liebe für sich selbst und für sein eigenes Leben hat, kann auch keine wirkliche Liebe seinem Nächsten geben, er kann nur noch berechnend und kalkulierend "lieb tun". In keiner anderen Kultur als der christlichen wird Liebe lauter auf den Lippen getragen und keine andere Kultur hatte letztlich entfernt vergleichbare zerstörende Einflüsse auf unseren ganzen Planeten. Die letzten 2000 Jahre sind in der Menschheitsgeschichte wenige Augenblicke, die aber haben gereicht.
Wer damit beginnt, sich seinen Sehattenseiten in Liebe zuzuwenden, wird immer wieder und häufiger Augenblicke erleben, in denen er Angst bekommt, vor lauter Liebe, vor ungeheurer Energie, "zu platzen", dieser Energie gar nicht standhalten zu können. Dann wird er beginnen zu verstehen, was Nelson Mandela in dem obigen Text in sich erlebt haben muß.
Es sollte hier also gezeigt werden, daß integratives Denken, Fühlen und Wollen für sich genommen bereits heilsam sind und jede Therapie überflüssig machen können. Man kann jedoch durch Homöopathie oder andere integrative Methoden "stekkengebliebene Prozesse" wieder in Gang bringen oder den Prozeß überhaupt immens beschleunigen. Im Verlaufe eines solchen Prozesses wird sich allmählich die Schwingung des ganzen Wesens erhöhen und mein Herz "singt" bei der Vorstellung, daß es möglich ist, sich von Licht zu ernähren, auch wenn ich selbst den 21-Tage-Prozeß (noch) nicht durchlaufen habe.
Ich wäre froh und dankbar, wenn diese Zeilen einigen Lesern auf ihrem eigenen Weg eine Unterstützung sein könnten, sowie ich auch meinen eigenen geistigen Führern danken möchte.
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